Monat: Mai 2016

VORGESCHMACK

Samstag, 28. Mai 2016

Wir wollen es wissen. Es selbst erleben. Ungefiltert. Jetzt und hier.

Ich (Jana) ziehe die Burka an. Um genau zu sein, eigentlich eine Niqab. Wir sind bei einem guten Freund. Allen ist es etwas mulmig. Flo hat sich erklären lassen, wie man, bzw. Frau, die Burka trägt. Er hilft mir.
Ich sehe alles, wie immer. Nur meine Füße manchmal nicht. Alle anderen sehen nur noch meine Augen. Schon etwas anders als sonst. Aber definitiv nicht unangenehm. Der Stoff ist angenehm auf der Haut, er kühlt leicht. Ich fühle mich wohl.
Mein bester Freund schaut mich mit schief gehaltenem Kopf an. „Steht dir, kann man so machen.“ Seine Mutter betritt das Zimmer. Sie kritisiert lediglich den Faden, der sich aus der Naht gelöst hat.

Ich schaue wieder Flo an: „Startklar?“
Er grinst. Ich grinse. Noch…

13346657_1195563307135087_2371614098014227722_n

Jana Gottert in der Niqab

Einen Tag in der Burka. Flo wird es fotografieren. Es dokumentieren. Alles. Nicht nur mich, sondern auch die Reaktionen. Blicke, Gesten, gesamte Situationen. Ich laufe nur durch die Stadt. Dachte ich zumindest.

Was ich erlebe ist unfassbar für mich. Ich kann es wirklich nicht fassen, nicht greifen. Nicht  begreifen. Es fällt mir schwer, eine Stadt, die ich so liebe, so sehen zu müssen.
Was sie sieht, ist ein Mensch, verhüllt in wunderschönen schwarzen Stoff.
Was ich sehe ist hässlich. Zum Teil sogar Hass erfüllt.

Ich möchte es spiegeln. Meinen Blick zu eurem machen.
Von 100 Menschen waren 99 Menschen mir gegenüber unmenschlich.
Von 100 Menschen schauten mich 60 an und schauten bewusst weg.
Von 100 Menschen schauten mich 20 an, schauten bewusst weg und murmelten etwas beleidigendes. Nicht zu überhoren, nur nicht zu verstehen.
Von 100 Menschen schauten mich die restlichen 20 an, blieben stehen und beleidigten mich. Direkt. Ohne Scham. „Widerlich“ oder „Nimm mal die Kutte ab!“, „Wo kommen wir denn hin?“ oder „Abartig.“
Viele unterbrachen ihre Gespräche, nur um mich zu ihrem neuen Gesprächsthema zu machen. Viele zeigten mit dem Finger auf mich oder verzogen das Gesicht. Viele. Nahe zu alle.

Ich weiß nicht wie vielen Menschen ich an diesem Tag begenet bin. Es ist nur traurig, dass ich weiß, dass es VIER Menschen waren, die mir positiv entgegen getreten sind.
1. Eine Frau, Mitte 20, Kopftuch tragend. Ich bin stehen geblieben, um ihr nicht durchs Bild zu laufen, welches sie gerade schießen wollte. Sie lächelte und bedankte sich.
2.+3. Zwei Frauen, Anfang 30, europäisch, in der Bahn. Sie fragen mich, ob ich mich auf den freien Platz setzten möchte.
4. Eine Frau, gehüllt in eine Burka. Sie nickte mir verständnis zeigend und erfreut zu.

Ich bin kein Mensch, der sich mit diesem Kleidungsstück identifiziert. Ich schlüpfte in eine Rolle und konnte sie jederzeit wieder ablegen. Aber es gibt Menschen, für die ist die Burka ein Teil von ihnen, welche sie nicht einfach so wieder ablegen können oder wollen.

Ich bin ein Mensch, der oft und sehr stark auf Beleidungen eingeht. Ich lasse mir nichts bieten. Nichts. Ich gebe Kontra, wehre mich, zeige mich stark und zum Angriff bereit.
Mein Vater kann das nicht leiden. Er findet das unvernünftig. Er hat Angst um mich. Eben weil er weiß, dass ich mich auch mit stärkeren anlegen würde.

Unter der Burka hatte ich die gleichen Möglichkeiten. Ich hätte den Mund auf machen können. Hab ich nicht. Warum?
Ich hatte nicht das Bedürfnis. Ich hab mich gefühlt, wie eine Kämpferin in ihrer Schutzkleidung. Mir konnte keiner was. Es war mir schlichtweg egal, was andere sagen. Ich habe mich sicher und immer beschützt gefühlt.
Und ganz ehrlich, das habe ich noch nie…

ZU SEHEN IN
WELL ≠ COME – Weder „gut“, noch „kommen“
Eine Ausstellung zum Thema Paradoxon Willkommenspolitik
Impressionen und Expressionen von Jana Gottert und Florian Griebel
https://www.facebook.com/events/1045441178826965/

Nachtrag:
Ich habe, gerechtfertigt, Kritik bekommen, dass es nicht ok sei, eine Burka aus nicht religiösen Gründen zu tragen. Ich kann es nachvollziehen. Und es tut mir Leid, wenn sich irgendjemand gekränkt fühlt.

Aber es war der einzige Weg, um euch zu verstehen.

Jana Gottert und Florian Griebel

Advertisements

WER SIND JANA UND FLO?

Im ersten Sinne wir.

Wir kennen uns nun schon seit ein paar Jahren.
Flo ist 20 und macht momentan sein Abitur an einer Fachhochschule. Er lebte bereits in Irland und ist Hobbyfotograf. Er beschäftig sich oft mit Ungerechtigkeiten und Machtstrukturen, mit viel Politik aber auch mit einfachen Problemen des Lebens. Er engagiert sich freiwillig für Flüchtlinge und hilft immer wo er nur kann.

Ich, Jana, bin 19 Jahre alt und mache momentan mein FSJ Kultur im JugendKulturZentrum PUMPE. Nach meinem Abi letztes Jahr wusste ich nicht so recht wohin mit mir, wollte aber etwas soziales im Kunstbereich machen. Nun bin ich hier und überglücklich. Es lag also Nahe sich mit einem sozialen Thema zu beschäftigen. Ich wollte mich künstlerisch ausdrücken und brauchte Hilfe. Und da kam ja nur einer in Frage… 😉

Wir arbeiten nun schon seit letztem Dezember an diesem wundervollen Projekt und ich habe Flo noch mehr kennen und lieben gelernt! Ein wirklich guter Freund und kreativer Kopf mit ganz besonderen Ansichten und ich, die etwas durchgeknallte kleiner Bastlerin…

 


Jana Gottert und Florian Griebel

LOCATION

Unsere Location wird das JugendKulturZentrum PUMPE sein! Mein jetztiger Arbeitsplatz und einer der schönsten Orte in ganz Berlin. Im großen Stil werden wir unsere Ausstellung im Saal präsentieren. Wir freuen uns auf euch!

http://www.pumpeberlin.de/aktuelles.php?lng=de

Diese Diashow benötigt JavaScript.


g

Jana Gottert und Florian Griebel

WELL ≠ COME

UntitledWillkommenspolitik.

Ein einfaches Wort mit so viel Kraft. Ein Wort der Offenheit. Eine Politik, die die Arme ausbreitet?
Ein Wort der Hoffnung für viele Menschen. Anderen ist es ein Dorn im Auge. Manchen ist es egal. Aber Fakt ist: Alle haben es schon einmal gehört, alle kennen es. Es polarisiert!
Was, warum, wie und ist das alles so gut? Kritik und Unverständnis. Realität? Wer weiß?

Wir, Jana Gottert und Florian Griebel, haben uns intensiv mit dem Thema beschäftigt. Haben hingehört, was Menschen zu sagen haben, haben Berlin und der Welt gelauscht. Waren fassungslos und bestürzt, sprachlos, aber auch das eine oder andere Mal belustigt. Haben verstanden und nicht verstanden.

Aus Imperssionen entstanden Expressionen. Ob mit Stift und Zettel, Pinsel, Spraydose, Säge oder Kameras verwirklichten wir unsere Gedanken, das, was wir zu sagen haben und was gesagt werden muss. Ein Eindruck unseres Bildes, auf das Bild, welches wir gesehen haben. Frei, ungezwungen und definitiv nicht ausschließlich objektiv. Aber auch nicht alles muss immer objektiv sein, um zum Denken an zu regen. Etwas, was WIR während unserer Arbeit gelernt haben.

Wir würden uns freuen, wenn IHR euch von uns zum Denken anregen lasst!

WELL ≠ COME – Weder „gut“, noch „kommen“
Eine Ausstellung zum Thema Paradoxon Willkommenspolitik
Impressionen und Expressionen von Jana Gottert und Florian Griebel
Sonntag, 10.07.2016, 17:00 Uhr im JugendKulturZentrum PUMPE (großer Theatersaal)

http://www.pumpeberlin.de/aktuelles.php?lng=de

https://www.facebook.com/events/1045441178826965/

Jana und Flo